Zukunftsvisionen...oder das Gold unter der Akropolis - eine teilpolitische Satire

Oh ja, ich schreibe gerne Satiren, am liebsten abends, vor meinem kleinen Küchentisch sitzend, auf einem unbequemen Stuhl, der mich am folgenden Tag stets daran erinnert doch wieder einmal bei meinem Physiotherapeuten Dr. Weichl vorbeizuschauen, um schon im nächsten Moment wieder in die Tasten meines Laptops zu hämmern und die vielen vom Fehlerteufelchen unterstützten Unsinnigkeiten freier Stilistik zu verbessern.
Ich bin einfach besessen, mit dem mageren Wortschatz meiner technisch versierten Ausbildung zu improvisieren und mit ein wenig Glück in den nächsten zweihundert Jahren einmal entdeckt zu werden.
Hmmm…das wär schon was, wenn die Tochter des Sohnes meiner Tochter ihrer Tochter mit ihrem dann zukünftigen Bräutigam, einem aufstrebenden jungen Politiker der stimmenstärksten Partei im Wiener Stadtrat - MZIZ Mein Zweites Islamistisches Zuhause - das neureformierte Zelttheater am ehemaligen Burgring besucht um die Vorpremiere des schwer umstrittenen Satirenspiels 'Ohne Namen', unterstützt von der zweitstärksten Fraktion - KBBW Kunterbunte Bürgerwehr - ihres viel zu früh verstorbenen Ururgroßvaters zu erleben. Zumindest den ersten Akt, denn dann wird das Stück aus Gründen heimatverbundener Sentimentalität und fälschlicher Zeitgenösslichkeit auch gleich ad acta gelegt. Aber bis dahin haben wir ja noch ein wenig Zeit, auch wenn die Weichen, selbst beim Rohbau des neuen Wiener Zentralbahnhofs, bereits gestellt sind.
Wen interessiert das eigentlich noch, wo doch der Weltuntergang, dem Maya-Kalender folgend, für Ende dieses Jahres veranschlagt wurde!
Ein gewagter Satz mit noch gewagterer Aussage, kann ich doch die ganze Geschichte bereits am ersten Januar 2013 in den Papierkorb werfen, wenn diese x-te Prophezeiung wieder einmal nicht eintrifft.
Meine Großtante Drösel, mittlerweile schon weit über 90, lässt das ganze Gerede von der bevorstehenden Apokalypse kalt. Ihre Hauptsorge gilt vielmehr der zunehmenden Kriminalität basierend auf der sozialpolitisch durchdachten Öffnung der Wiener Stadttore, der einst so standfesten Mauern unserer Befestigungsanlage. Reste davon können Sie heute noch innerhalb des Rings bewundern um sich anschließend die berechtigte Frage zu stellen, ob man damals nicht viel sorgfältiger mit den Besitztümern eines Landes umgegangen ist.
Tante Drösel - das Groß konnte ich als Kind nie wirklich aussprechen und so wurde sie in den engsten Familienkreis erhoben - wohnt am Stadtrand des 19. Wiener Gemeindebezirks, in einem Genossenschaftswohnhaus, umgeben von den vielen Prachtvillen unserer ach so geplagten Politvertreter…also eigentlich in einem Nobelviertel, wo die einzigen Fremden trinklustige Touristen sind. Die Einbruchszahlen sind fast gänzlich zu vernachlässigen und öffentliche Belästigungen nur in der Frage 'Excuse me, can you tell me where the next Heurige is' stattfinden.
Dennoch, die alte Dame ist in den letzten Monaten sehr vorsichtig geworden, liest sie doch täglich in den Zeitungen von Raub und Mord in Folge steigender Ausländerkriminalität, sowie Betrug und Korruption, selbst unter ihren bestbürgerlichen Nachbarn. Ein neues Sicherheitskonzept, made by Drösel, war folglich angesagt.
Es beginnt schon bei der Sprechanlage, wo die lieben Verwandten und Bekannten einen morseähnlichen Klingelcode, welcher alle zwei Wochen vom Tantchen abgeändert wird, verwenden müssen um überhaupt ins Haus gelassen zu werden. Tu Tu Taaa Taaa Tu Taaa - meistens sind es die ersten Takte bekannter Opernarien, aber auch Reinhard Fendrich, Wolfgang Ambros, ja sogar FALCO werden ungeniert verunstaltet um eine Freigabe zu erwirken. Die panzerschrankähnliche Sicherheitstür, im vierten Liftstock, mit ihren fünf Zusatzschlössern, strahlt einem schon beim Öffnen der Aufzugstüre entgegen, in der Vermutung, dass sich dahinter die österreichische Dependance von Fort Knox befindet. Mit Sonnenbrillen 80%iger Tönung nähert man sich dann vorsichtig dem grell reflektierenden Relikt und tastet an der Wand nach der Türglocke. Einmal gedrückt ertönt sogleich eine MP-Salve die jeden Unwissenden so erschrecken würde, dass dieser entweder in Panik davonlaufen oder aber in Sekundenschnelle an einem Herztod sterben würde. Der Wissende hat hier bereits vorgesorgt und entfernt sogleich wieder seine Ohropax, um auch der letzten Prüfung standzuhalten. Tante Drösel hat zwar einen Türspion, ist aber viel zu klein um hindurchsehen zu können, und so muss auch noch das jeweils persönliche Losungswort durch den mittlerweile geöffneten, aber wohl gemerkt noch gesicherten Türspalt geflüstert werden. Endlich ist es so weit, die Tante entriegelt die letzte Türsicherung und dem Besucher steht nichts mehr im Wege…außer…Franz Ferdinand, ein etwa ein Meter hoher Mastino und direkter Nachfahre der römischen Molosser-Kampfhunde.
Meine Tante hat also etwas dagegen unternommen um ihr Hab und Gut zu sichern, und wir sprechen hier vorrangig von Gut, denn Hab hat sie nicht, beziehungsweise hat sie Hab noch nie gehabt - wirklich?

"Wann fahren wir eigentlich wieder zu deiner Großtante?", fragte mich Maxima beim gemeinsamen Sonntagsfrühstück zwischen den beiden Freizeitartikeln 'Griechisches Roulette' und 'Gold unter der Akropolis'.
"Wie kommst du jetzt darauf?" antwortete ich geistesabwesend in mein iPad vertieft.
"Die Griechen vermuten unter der Akropolis eine gewaltige Goldader und suchen gerade nach einer Möglichkeit eine Abrissbewilligung für dieses Weltkulturerbe zu erzwingen…und dabei ist mir die Tür deiner Tante eingefallen!"
"Drösels Tür ein Weltkulturerbe, mit dahinter liegender Goldader? Also auf den Goldschatz kann ich verzichten, bestenfalls zwei Zahnfüllungen und ein Philharmoniker im Tupperware-Becher im Eiskasten. Du hast aber auch eine blühende Fantasie!"
Maxima legte die Zeitung zur Seite und fixierte mich mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
"Ist dir eigentlich schon aufgefallen, dass dein Tantchen jedes Jahr neue Sesselleisten verlegt, eigenhändig, in ihrem Alter…und dass diese Dinger immer klobiger wirken?"
"Du meinst doch nicht etwa…"
Für einen kurzen Moment starrten wir uns an, dann schüttelte ich den Kopf und wir widmeten uns wieder unserer Morgenlektüre.

Monate später, wir waren wieder einmal auf Kaffee und Kuchen bei Tante Drösel eingeladen, saßen wir gemütlich am Esstisch, als mir Maxima plötzlich einen leichten Fußtritt verabreichte. Mit hochgezogenen Brauen und immerfort nach links rollenden Augen zwang sie mich ihrem Blick zu folgen und tatsächlich, Tantchen hatte wiederholt neue Sesselleisten verlegt, noch größer, noch klobiger und in einem platzvergeudenden Winkel zur Wand.
Vielleicht hat mein Schatz ja doch recht, und dahinter verstecken sich meterlange Schlangen von Philharmonikern und Dukaten…genug um das Hilfspaket der armen Griechen alleine zu schnüren.
Im selben Moment, ich hatte wohl zu lange auf die Leiste gestarrt, trabte auch schon Franz Ferdinand heran und legte sich eindrucksvoll davor nieder.
Ein Zeichen oder aber nur Zufall - wir werden es wohl nie erfahren, denn Tante Drösel hat Familie…einen Sohn, zwei Töchter, sieben Enkel und elf Urenkel. Sie leben alle in Athen, bis auf ein Enkerl, das in der Wiener Stadtregierung ihr Unwesen treibt, aber das unterliegt der literarischen Schweigepflicht.

Ihr NorbS

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5 Kommentare zum Beitrag
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Josef Schelling aus Baden am 17.02.2012 um 08:34 Uhr  
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Brigitte Müller aus Schwechat am 17.02.2012 um 09:50 Uhr  
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Gerti Portisch aus Poysdorf am 17.02.2012 um 09:58 Uhr  
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Norbert Stöckl aus Wien-10 Favoriten am 23.02.2012 um 08:55 Uhr  
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