Wiener Schlosser hält Arbeitsamt in Schach

Lautstark macht Johann A. auf die „willkürliche“ Sperre seiner Notstandshilfe aufmerksam. Seit Juli bekommt er kein Geld. (Foto: Laubner)

Jeden Donnerstag demonstriert Johann A. von der Initiative Arbeitslosen-Mafia in Floridsdorf • Kunden beschweren sich

(al). So etwas hat es in unserer Stadt noch nie gegeben: Woche für Woche marschiert ein arbeitsloser Schlosser, mit Transparenten und einem Megafon bewaffnet, vor dem AMS im 21. Bezirk auf. Johann A. von der Arbeitslosen-Mafia ist hartnäckig. Der Grund ist die Bezugssperre seines Notstandsgeldes. Die Beschwerden über Lärmbelästigung häufen sich.

Punkt 7.45 Uhr morgens ist es soweit. Johann A. und seine zwei Mitstreiter machen sich für die wöchentliche Donnerstags-Demonstration bereit. Die drei Mitglieder der Arbeitslosen-Mafia – eine Wiener Initiative, die vor einem Jahr gegründet wurde, um auf die Probleme von Jobsuchenden aufmerksam zu machen – wirken routiniert. „Manchmal sind wir sogar zu fünft“, merkt Herr A. an. Vor dem Arbeitsmarktservice (AMS) in der Schloßhofer Straße mitten in Floridsdorf befestigt der 49-Jährige ein Transparent und ölt seine Stimme. Dann geht’s los. Via Megafon wird Johann A.s Fall geschildert – damit auch jeder mitbekommt, was vorgefallen ist.

Arbeitslose fühlen sich belästigt
Polizisten beobachten das Spektakel vom Straßenrand aus, um einzuschreiten, wenn die Auflagen der angemeldeten Kundgebung nicht eingehalten werden. Die Demonstrationen finden seit Mitte August statt – Woche für Woche ein ähnliches Szenario. „Heute war ein guter Tag“, sagt der 49-Jährige. Eine Frau, die fünf Wochen vor ihrer Penison steht und trotzdem einen Kurs besuchen muss, gesellt sich zu der illustren Runde. Doch nicht jeder ist über das Spektakel sichtlich begeistert. „Die AMS-Kunden fühlen sich belästigt. Einerseits vom Lärm und andererseits, weil sie ­angesprochen und aufgefordert ­werden, ihre Meinung ins Mikrofon zu sprechen“, sagt Hans-Paul Nos­ko vom AMS Wien gegenüber der BZ.

Mafia filmt Arbeitslose
Was noch hinzukommt: Die Arbeitslosen-Mafia ist mit ­Videokameras vor Ort. „Den ­meisten Menschen ist es schon unangenehm genug, dass sie ­arbeitslos sind und zum ­Arbeitsmarktservice gehen müssen. Da ist es verständlich, dass sie nicht gefilmt werden wollen“, so Nosko. Johann A. will jedoch nicht klein beigeben. Geht es doch um seine ­Notstandshilfe und schließlich um seine ­Existenz. „Seit Juli habe ich eine Bezugssperre“, so der zweifache Vater. Die Vorgeschichte: Der gelernte Schlosser mit 25 Jahren Berufserfahrung bewarb sich bei einem Unternehmen.
Dieses teilte dem AMS mit, dass Johann A. zwei Job­angebote ablehnte. Deshalb verlor der ­Floridsdorfer seinen Anpruch auf die Notstandshilfe. „Stimmt alles nicht“, verteidigt sich Johann A. „Ein Mitarbeiter der Firma gab mir am Telefon Auskunft, dass der zuständige Herr, der mir mehr über das Angebot als Maschinenarbeiter sagen hätte können, nicht im Haus sei. Dann wurde mir mitgeteilt, dass noch eine andere Stelle als Baumonteur frei wäre. Ich sagte, dass ich mich wegen den Details als Maschinenarbeiter nochmals melden würde. Doch bevor ich das tun konnte, bekam das Arbeitsmarktservice eine Mail, dass ich zwei Arbeitsangebote abgewiesen hätte“, schildert der 49-Jährige den Vorfall.

Streit noch nicht beendet
Johann A. ging nun wegen seiner Bezugssperre in Berufung. Ohne Erfolg. „Wie die Firma dem AMS Wien mitteilte, hat Herr A. zwei Arbeitsangebote abgelehnt. ­Die­se Angaben wurden seitens des ­Firmenchefs auch telefonisch bestätigt“, nimmt wiederum ­Hans-Paul Nosko vom AMS Stellung. Ein Ende des Streits scheint noch lange nicht in Sicht zu sein. Johann A. plant weitere lautstarke Demonstrationen vor der ­AMS-Geschäftsstelle in ­Floridsdorf.

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