Wirbel um Rücktritt von "interregional" - Obmann Stecher!
Stecher: "Ich will den Verein schuldenfrei übergeben." Gemeinderäte und Bürger melden sich zu Wort, die Wogen in der Kultur-Gemeinde Telfs gehen hoch.
TELFS (lage). Johannes Stecher, Obmann der Kulturinitiative „interregional“ und ‚Künstlerischer Leiter‘ des Kammerchor Telfs, teilte vorige Woche dem Telfer Gemeinderat mit, er will seine Funktionen in neue Hände geben. Auf die Frage, ob die fehlende Budget-Entlastung durch die Gemeinde der Grund dafür ist, meint Stecher: „Im Sinne der Sache möchte ich mich dazu nicht äußern. Nur: Ich möchte dem neuen Obmann schuldenfrei übergeben.“
Ein „interregional“-Highlight, die Matthäuspassion (15./16. 4. 2011) muss Stecher daher absagen. Stecher: „Ich muss die Notbremse ziehen! Die Absage tut mir sehr leid, alle arbeiten schon sehr lange auf dieses Konzert hin.“ Der neue Obmann, der bald bestellt werden soll, muss wohl ein ‚abgespecktes‘ Programm der "interregional"-Reihe für die Saison 2010/2011 veröffentlichen.
Bgm. Christian Härting bedauert in seiner Stellungnahme, dass Musikschulleiter Mag. Johannes Stecher sein Amt als Obmann der Kulturinitiative Interregional zurückgelegt hat: "Er hat in dieser Funktion ausgezeichnete Arbeit geleistet."
Härting hält fest, dass die Subvention der Gemeinde für Interregional nicht gekürzt wurde, der 15-prozentige Sparbeschluss des Gemeinderates wird hier nicht angewendet. Die noch von Härtings Vorgänger Bgm. Opperer budgetierte Förderungssumme wurde in voller Höhe ausbezahlt. Versteckte Förderungen, welche die Gemeinde leistet (Saal-, Porto- und Personalkosten) sollen laut Härting künftig als solche aufscheinen, alle Zuwendungen sollen zur besseren Übersichtlichkeit in einem Budgetposten zusammengefasst werden. "Ich bin stolz darauf, dass Telfs eine so bedeutende und lebendige Kulturszene hat und werde diese auch weiterhin nach Kräften unterstützen", so Härting in einer Aussendung weiter: "Allerdings muss ich als Bürgermeister gerade mit Blick auf die anderen Kulturinitiativen und Vereine darauf achten, dass die knapper werdenden Gelder gerecht verteilt werden."
Bemängelt wird auch von der ÖVP-Fraktion, dass der Kulturausschuss in Telfs eingespart wurde. Bgm. Härting meint dazu: "Die Kulturangelegenheiten sind beim Gemeindevorstand gut aufgehoben, zumal Subventionsfragen in der hier zur Diskussion stehenden Größenordnung ohnehin über den Schreibtisch des Bürgermeisters gehen müssen."
LESERBRIEF, Reaktion von Mag. Peter Reitmeir, Telfs:
"Einigermaßen erschüttert und entsetzt höre ich, dass Johannes Stecher die Obmannschaft der Kulturinitiative „Interregional“, die Leitung des Kammerchores und des Orchesters zurückgelegt hat.
Wie kann man einen Mann, der so viel bewegt hat, der unschätzbare Aufbauarbeit geleistet hat, der immer wieder mit großteils eigenen Kräften, die er selbst herangebildet hat, wunderbare Aufführungen zustande gebracht hat, einfach gehen lassen? Ich ahnte leider schon im Gemeinderatswahlkampf und dann im Bürgermeisterwahlkampf, dass die Kultur in Telfs nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen wird. Das Wort Kultur ist in den diversen Wahlbroschüren nie gefallen. Haben nun wirklich die Kulturlosen das Sagen? Dass es nun nicht einmal mehr einen Kulturreferenten gibt, ist ein Armutszeugnis. Es ist eben ein Zeichen von guter Politik, wenn es gelingt, Kompromisse zu finden, und nicht einfach nur drüber zu fahren.
Als Träger des goldenen Ehrenzeichens von Telfs, das ich für kulturelle Leistungen erhalten habe, fühle ich mich verpflichtet, mich zu Wort zu melden. In einer ersten Reaktion überlegte ich, dieses Ehrenzeichen zurückzulegen. Das werde ich aber nicht tun, da ich es aus der Hand des früheren Bürgermeisters Helmut Kopp erhalten habe, der ein großer Freund und Förderer der Kultur war und dies durch seine Anwesenheit bei allen Veranstaltungen Stechers auch bekundete."
Mag. Peter Reitmeir, Telfs
LESERBRIEF: GR Josef Köll, Obmann für Wirtschaft, Verkehr und Ortszentrum:
"Keiner möchte die Leistungen des Dir Johannes Stecher bezüglich seiner langjährigen Tätigkeit der kulturinitiative Interregional in Frage stellen. Nun muss es erlaubt sein die Kostenwahrheit in allen Bereichen der Budgetplanung einzufordern, und dies mit der Bitte einer frühzeitigen Vorlage.
Die Übernahme der Portokosten und der Saalmiete können nicht wie bisher als „versteckte Subventionen“ seitens der Gemeinde getragen werden sondern sind in der ordendlichen Haushaltsplanung zu berücksichtigen.
Auch die MGT ist nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen und man kann nur über die Geldmittel verfügen die man besitzt. Auch die Absagen verschiedener Veranstaltungen die für das Jahr 2010/11 bereits geplant und auch budgetiert waren, sind für mich nicht nachvollziehbar. Das Budgetkürzungen seitens der Gemeinde , auch Kürzungen des Bundes und des Landes nach sich ziehen, ist wohl auch nichts neues. In Zeiten der Wirtschaftskrise und des daraus resultierenden Sparbudgets sind „alle Bereiche“ davon betroffen und nicht nur die Kultur.
Es sind in Telfs nicht die Zeiten der Kulturlosen angebrochen sonder die Zeit für ein vernünftiges haushalten mit dem Geld der Steuerzahler.
Abschließend sei mir gestattet zu erwähnen, dass die Subventionen eigentlich nicht weniger, sonder nur „neu“ geregelt wurden.
Kultur wird uns immer wichtig sein und seinen Stellenwert in der MGT beibehalten."
GR Josef Köll
Obmann für Wirtschaft, Verkehr und Ortszentrum
LESERBRIEF: Kulturbegräbnis in Telfs!
Mit Bedauern habe ich vom Rücktritt des Interregional-Obmannes Mag. Johannes Stecher gehört. Veränderungen hat es und wird es immer geben. Es ist zu akzeptieren, wenn jemand nach vielen, sehr erfolgreichen, Jahren die Verantwortung für einen Bereich nicht mehr tragen will! Aber die Umstände machen mich doch sehr Nachdenklich und betroffen, denn es geht hier natürlich wieder um das liebe Geld! Es war vorauszusehen, dass aufgrund des Wahlergebnisses und der schon vorher getätigten Aussagen der jetzigen Bürgermeisterpartei (Kostenwahrheit), sich in der Kultur- Budgetierung einiges ändern wird, dass aber die Kultur zum lästigen Anhängsel in Telfs wird, ist sehr bedauerlich und überaus beunruhigend.
Wir sind die drittgrößte Gemeinde von Tirol und haben nicht einmal einen zuständigen Kulturreferenten! Die unentgeltlich arbeitenden Kulturschaffenden werden vor den Kopf gestoßen und es werden die Aufbauarbeiten eines hochgeschätzten Altbürgermeisters Helmut Kopp mit einem Feder(spiel)strich zunichte gemacht!
Es ist heute selbstverständlich, dass ein Trainer beim Sportverein eine finanzielle Abgeltung bekommt. Im, von mir in Tirol geleiteten Chorwesen und auch bei allen anderen Kultur tragenden Vereinen, wie Interregional, wird von Abgeltung der vielen hunderten Stunden überhaupt nicht gesprochen, uns und auch Herrn Stecher, ist es immer um die Sache gegangen. Wenn man die unentgeltlich geleisteten Stunden einer Johannes Stecher aufsummiert, kommt sicher eine unglaubliche Zahl heraus.
Kulturverantwortliche werden zu Bittstellern und in Telfs steckt man das, zugegeben weniger gewordene Geld, in einen teuren Kunstrasen. Sport ist bei uns alles, kein Wunder, da rennt man beim Bürgermeister offene Türen ein. Es ist gut, wenn Telfs „Sportstadt“ ist, doch bisher war Telfs auch „Kulturstadt“, leider tragen wir diese derzeit zu Grabe!
Manfred Duringer, Telfs
Landesobmann des Tiroler Sängerbundes
OFFENER BRIEF von Walter Kirchmair:
Sehr geehrter BM Härting!
Mit großem Bedauern habe ich, und vermutlich alle Kulturschaffenden der Region, den Rücktritt von Dir. Mag. Stecher als Obmann von „Interrregional“ erfahren. Ich habe den Eindruck, dass Sie und alle anderen verantwortlichen Politiker nicht abschätzen können, wen sie da ziehen lassen.
Dir. Stecher ist ein absolut kompetenter Mann mit größtem Idealismus, der in dieser Funktion das Kulturleben in Telfs über Jahre entscheidend mitaufgebaut hat. Er hat nicht nur diese Tätigkeit ehrenamtlich ausgeführt sondern hat auch alle seine künstlerische Arbeit als Dirigent von „Interregional“ – Konzerten unentgeltlich geleistet.
Diese seine hochprofessionelle Arbeit durch finanzielle Kürzungen zunichte gemacht zu sehen ist bitter.
Obwohl die Berichterstattung durch das Schweigen von Dir. Stecher sehr einseitig ist, bemerkt jeder aufmerksame Leser, dass, im Gegensatz zu Ihren öffentlichen Stellungnahmen, sehr wohl massive Kürzungen des Budgets für „Interregional“ vorgenommen werden (bzw. wurden) und zwar in Form der Streichung der Saalmieten und Portogebühren. Sie sollten fairerweise diese Summen, die „Interregional“ nun weniger zur Verfügung hat, auch öffentlich nennen.
Vor allem ist es aber die dahinterstehende Geisteshaltung, die beunruhigt: war schon nach der Ära Kopp ein deutlich vermindertes Engagement an kulturellem Leben spürbar geworden, scheint nun das Interesse daran weiter gesunken zu sein - wie man es aus Ihren Taten (die Ihre Einstellung deutlicher und objektiver dokumentieren als Ihre Worte) unmissverständlich ablesen kann.
Niemand verlangt von einem Politiker, dass er glühender Bewunderer von z. B. klassischer Musik ist, aber die umfassende gesellschaftsformende und auch pädagogische Wirkung (z. B. auf alle Schüler der Musikschule im Sinne einer „Fernzielwirkung“) sollte doch erkannt und als förderungswürdig eingestuft werden.
Ob die Kulturangelegenheiten, wie Sie behaupten, beim Gemeindevorstand gut aufgehoben sind, darf angesichts dieser Vorgehensweise bezweifelt werden.
Walter Kirchmair
(Komponist, Dirigent, Gitarrist und Lehrer an der MS Telfs)


Mir fehlen die Worte!
Danke lieber Johannes für die jahrelange unschätzbar wertvolle Arbeit! Ich bin mir nicht sicher, dass der Marktgemeinde Telfs bewusst ist, was sie hier verliert!
Dani Weissbacher