Kultur-Streit: Starke Front erhebt Vorwürfe gegen Vorgangsweise von Bgm. Härting
Vorstandsmitglieder von ÖVP, PZT, TELFS NEU und FPÖ wettern gegen Bgm. Härting (Wir für Telfs), Härting entgegnet postwendend.
TELFS (lage). In einer Presseaussendung erheben gleich vier Telfer Gemeinderatsfraktionen gegen Bgm. Christian Härting Vorwürfe, es geht hier um die Sparpolitik der Gemeinde beim Verein "Interregional Telfs" und den Rücktritt von Obmann Johannes Stecher. Von einer "untragbare Vorgangsweise Härtings" wird darin gesprochen.
Bgm. Härting hat die Kultur in Telfs zur Vorstandssache gemacht. In den letzten GR-Perioden waren stets eigene Kulturausschüsse installiert und Kulturreferenten ernannt (zuletzt GV Gernot Klais). Nun ist von eigenmächtiger Vorgangsweise von Härting in der jüngsten Kulturdebatte rund um die Kulturinitiative Interregional die Rede, so die Mehrheit des Vorstandes der Marktgemeinde Telfs bestehend aus Vbgm. Christoph Stock (VP), Vbgm. Mag. Günter Porta (PZT), GV Angelika Braun (VP), GV Herbert Klieber (VP), GV Doris Walser (Telfs NEU) und GV Mag. Dieter Schilcher (FP): "Wir bestehen darauf, dass kulturelle Entscheidungen gemeinsam im Vorstand getroffen werden, so wie vereinbart. (...) Es geht jedoch nicht an, dass wichtige Entscheidungen durch Alleingänge Härtings (in diesem Fall mit seinem Listenkollegen Federspiel) am Vorstand vorbeigelenkt werden. Das Thema Interregional wurde nicht beiläufig, wie von Härting verlautet, angeschnitten, sondern war auf der Tagesordnung unter Punkt 2 als eigenes Thema angeführt und deshalb eindeutig Kulturangelegenheit und damit Sache des Vorstandes."
Bgm. Christian Härting entgegnet: "Das Gespräch mit Mag. Stecher fand im Rahmen der Budgeterstellung statt, und die ist eindeutig Aufgabe des Bürgermeisters. Hier wurden keine kulturpolitischen Entscheidungen gefällt, ich habe lediglich versucht, die Subventionszahlungen transparenter und überschaubarer zu machen."
Als falsch bezeichnen die Vorstandsmitglieder von ÖVP, PZT, TELFS NEU und FPÖ auch die von Bgm. Härting und GR Federspiel in der Presse verlauteten Märchen, dass keine Kürzungen der Gemeindesubvention an Interregional vorgenommen wurden: "In Wahrheit wurde um soviel gekürzt, dass 2011 nur mehr ca. € 20.000,-bis € 30.000,- (je nach Höhe der Saalkosten) statt wie bisher € 45.000,- für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. (...) Jüngst gab es auch nur teilrichtige Zahlen über die Verschuldung der Marktgemeinde, die vorschnell am Überprüfungsausschuss vorbeigeleitet veröffentlicht wurden (...)."
Doris Walser von Telfs NEU sagt im Namen der unterzeichnenden Vorstände weiter, dass durch die Vorgangsweise Härtings unnötig viel Porzellan zerschlagen wurde, "denn wie eben überall, so macht auch hier der Ton die Musik. Somit wurde in einem Gespräch, das ohne Wissen des zuständigen Kulturkremiums (Gemeindevorstand) von Bgm. Härting und GR Federspiel geführt wurde, 15 Jahre Kulturaufbau sowie ein wichtiger Impulsgeber und positiver Imageträger vernichtet. Es steht zu hoffen, dass sich diese ungeschickte Vorgangsweise nicht auch auf andere wichtige Institutionen wie die Musikschule ausbreitet. Auch hier gibt es ein Veranstaltungsbudget, das – wenn es nach dem gleichen Verhandlungsmuster – gekürzt wird, erhebliche Nachteile für 1.000 jugendliche und erwachsene Musikschüler nach sich ziehen würde."
Bgm. Härting beharrt in seiner Reaktion zu den Vorwürfen weiterhin darauf, entgegen der immer wieder vorgebrachten Behauptung hat es in Summe keine Kürzungen gegeben: "Die in der Presseaussendung einiger Vorstandsmitglieder vorgebrachten Zahlen stimmen so nicht. Es ging im Wesentlichen darum, dass Mag. Stecher zusätzliches Geld für „Interregional“ haben wollte, das wir leider nicht zur Verfügung stellen können. Die ganze Sache wird jetzt aus durchsichtigen politischen Gründen aufgebauscht. Vielleicht sollten sich einigen Gemeinderatskolleginnen und -kollegen für ihre Profilierung sinnvollere Betätigungsfelder suchen."
Kultur ist gut und notwendig, aber mal ganz ehrlich: Welchem Verein werden Personalkosten und Saalmieten gezahlt? Wie steht es mit Einnahmen der interregional? Diese Seite wurde nicht einmal erwähnt. Wieviele zahlende Mitglieder hat der Verein, denen es die Kultur wert ist, einen Beitrag zu leisten?
Wurde das Sponsoring nach besten Kräften betrieben?
Wer für vielfältige und hochstehende Kultur etwas übrig hat, der darf sich nicht nur auf die öffentliche Hand hinausreden und einseitig argumentieren.
In gleichem Sinne, nämlich im Ausloten jeglicher Finanzierungen nach eigener Kraft würde ich die Volksschauspiele überprüfen.
Jeder Verein muss sich vorallem selbst darum kümmern, dass er sich finanzieren kann.
Hans Aichberger aus Telfs am 08.09.2010 um 18.15 Uhr
Ich bin kein großer Schreiber von Geblüt, doch ich möchte mich trotzdem zu Wort melden.
Meine lieben Gemeinderäte von Telfs, lieber Herr Bürgermeister mit Einflüsterern -
ich möchte mich im Namen aller Abonnenten der Kulturreihe Interregional bedanken – warum:
Ihr habt den “Kulturmenschen” von Telfs durch die Abschaffung von Interregional sehr weh getan,
jedoch habt ihr mit eurem beispiellosen Einsatz für die Erhaltung vom Wendelinus gekämpft.
Jetzt können wir Kulturspaziergänge machen und damit den Rathaussaal für türkische Hochzeiten, Maturabälle mit anschließendem “Blumenkübel und Mullkübelwerfen” unter dem Motto “wer ist der größte Vandale” schonen. Sie ersparen sich auch die Portokosten, da wir unsere Kulturexkursionen bei Vogelgezwitscher am Wendelinus mit Buschtrommeln ankünden.
Ich danke Euch im Namen aller “Kulturgenießer” und kann euch nur zurufen:
Das ist Telf – Gott helf!
Ich grüße herzlichst vom Wendelinus Hans Aichberger
PS: Meine Tochter hat die Plakate und Einladungen für die Kinderveranstaltungen der Musikschule und Interregional zum Teil gratis gedruckt um eure Gemeindekasse für andere Halbheiten zu schonen.
liebe frau reinstadler,
ihrem kommentar entnehme ich, dass sie sich noch nie um die finanzierung einer kulturveranstaltung kümmern mussten. aus eigener erfahrung kann ich ihnen mitteilen, dass dies schwerstarbeit ist. kulturveranstaltungen werden im normalfall zu über 80 % aus der öffentlichen hand finanziert. wie zum beispiel der innsbrucker tanzsommer, das landestheater, die festwochen der alten musik, festspiele erl, etc. (bitte nageln sie mich nicht auf die genaue zahl fest, ich habe nicht kürzlich recherchiert, ist schon ein paar jahre her. ich nehme aber an, dass sich diese zahl in den letzten jahren kaum nach unten entwickelt hat.)
ich bin mir sicher, dass herr mag. stecher sich sehr um eine gute und ausgewogenen finanzierung bemüht hat, auch durch privatsponsoren.
weiters bin ich der meinung, dass dies sehr wohl eine wichtige aufgabe der öffentlichen hand ist, kultur zu fördern und zu unterstützen. der mensch ist ohne kultur nicht überlebensfähig. seit es den menschen gibt, gibt es musik, kunst, tanz, kochen, etc.
der mensch begann, die kultur zu wahren. sie wurde von generation zu generation weitervermittelt, die gehobene kultur in den herrschaftshäusern, die "einfache" kultur unter der bevölkerung.
ich bin bestimmt kein "fan" von klassischer oder barocker musik. jedoch weiss ich sie zu schätzen und zu würdigen, denn sie ist die wiege unserer heutigen musik und kultur. ohne mozart keine beatles. so einfach. und hätt es nicht immer irgendwelche herrscher, könige oder mäzene gegeben, dann hätten die grossen meister keine möglichkeiten gehabt.
heute gibt es keine könige oder herrscher in dem sinne mehr. das volk herrscht. von daher scheint es für mich logisch, dass wenn wir unsere kultur wahren und unsere wurzeln würdigen möchten, wir dies mit der unterstützung der öffentlichen hand tun.
in zeiten von burnout, überforderung und einer sich immer schneller drehenden welt scheint es mir als kein schlauer schachzug, menschen ihrer kulturellen oasen zu berauben.
das denken der politik scheint mir weiters viel zu kurzsichtig. nehmen wir an die gemeinde spart sich € 10.000 im jahr durch gekürzte förderungen. dafür hat sie 3 veranstaltungen mehr a la wirtefest oder maturabälle (der rathaussaal muss ja dann anderweitig vermietet werden), die weit mehr schaden und kosten verursachen, als diese läppischen 10.000 euro unterstützung für eine kulturveranstaltungsreihe beispielsweise.
tut mir leid, ich kann ihrem kommentar gar nichts abgewinnen.
ich bin auch für eine gerechte verteilung der gelder und dass gut gewirtschaftet wird. ich bin mir sicher, dass mag. stecher hier hervorragende arbeit geleistet hat. er hat sich ausserdem jahrelang um die marktgemeinde telfs verdient gemacht. dass man ihn so behandelt, hat er schlichtweg nicht verdient.
Liebe Frau Weissbacher,
Die Frage ist weder, ob Herr Stecher sich verdient gemacht hat, (das steht wohl für niemanden zur Debatte) noch ob Kultur förderungswürdig ist oder nicht. Auch das steht außer Frage (offensichtlich konnten sie den inneren Kern meiner Aussage nicht herausschälen). Die Kernpunkte sind:
1. Wenn eine Gemeinde einen Sparkurs beschließt, ist dann die Kultur ausgenommen?
2. Um die kulturelle Qualität (evtl. Quantität) aufrechtzuerhalten, wurden alle möglichen Wege (Mitgliedswerbung, Wirtschaft, Sponsoring, Spenden, Patenschaften usw.) ausgelotet, um die Finanzierung zu sichern und die öffentliche Hand zu entlasten?
3. Ist es der richtige Weg, sich zurückzuziehen anstatt Wege der Finanzierung zu finden?
mfg.
liebe frau reinstadler,
ich denke, dass die derzeitige wirtschaftliche situation nicht ungünstiger sein könnte, noch private sponsoren kurzfristig auf die bühne zu bringen. zumal die steuerliche situation sich in österreich so darstellt, dass sportsponsoring von der steuer absetzbar ist, wohingegen kultursponsoring das nicht ist. allein daraus ergibt sich, dass firmen sich aus dem kultursponsoring zurückziehen müssen.
ich weiss, dass herr stecher immer sehr gekämpft hat und viel herzblut hineingesteckt hat, um sowohl die konzertreihe interregional dort hin zu bringen, wo sie heute steht, als auch die musikschule telfs. ich weiss auch, dass herr stecher hier mit seinem privatvermögen als vereinsobmann gehaftet hat und kann ihn durchaus verstehen, dass er bei diesen kürzungen sich nicht in der lage sieht, das programm noch durchzuführen.
die frage, die sich mir jetzt stellt, was bleibt nun telfs noch an musikalischer kultur?
interregional ist tot, und die gemeinde denkt an, dass die musikschule künftig für alle aufführungen im rathaussaal die saalmiete bezahlen muss. was soviel heisst, dass keine veranstaltung der musikschule mehr im rathaussaal stattfinden kann, da dies schlichtweg nicht finanziert werden kann. ergo, keine kindermusicals mehr, vortragsabende, tanzaufführungen, percussionfestivals, etc.
ich frage mich ernsthaft, welche art von musikalischer kultur dann noch in telfs stattfindet?
ich denke hier vorallem an die kinder, für die das mitwirken bei einer grossaufführung so viel positives für ihr weiteres leben bringt. teamgeist, kooperationsfähigkeit, selbstwertseigerung, selbstbestätigung ..... unbezahlbar ist sowas. soviel soziales lernen erleben sie in ihren ganzen pflichtschuljahren nicht. ich bin nach wie vor entsetzt darüber, welche entwicklung dies alles genommen hat. und noch viel mehr frag ich mich: wo wird das hinführen?
vielen dank für die schöne diskussion :)
lg dani


...so scheint ja doch langsam etwas mehr Licht in diese unsägliche Misere zu kommen.
Wie aber im Beitrag bereits gesagt wird, das Porzellan ist ohnehin schon zerschlagen,
"Das gesamte Programm der Konzertsaison 2010/11 musste leider abgesagt werden!" (www.interregional.at)
Ruhe sanfte, sanfte ruh!