Machtwechsel auf dem Hühnerhof
Anfang dieser Woche waren wir mal wieder bei Hubers in Lamprechtshausen eingeladen. Der Huber Luggi und ich hatten nämlich am selben Tag Geburtstag, er seinen fünfundfünfzigsten und ich meinen siebzigsten.
Gleich beim Aussteigen begrüßte mich ein Hahnenschrei, allerdings ein etwas ungewöhnlicher. Nach Erwin, dem stolzen Gockel auf Luggis Hühnerhof, klang das nicht! Die Erklärung folgte dann gleich beim Kaffeetrinken. Erwin war in die Jahre gekommen. Er war schon so schwach, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Da ihm auch seine Hennen nichts mehr bedeuteten, war sein Ende gekommen: Erwin starb den Tod aller Hühner auf dem Hackklotz. Doch der Suppentopf blieb ihm erspart, denn an einem Gockel wäre nicht viel dran, meinte Luggi.
Erwin II wäre schon prima in Form, erzählte mir Luggi weiter. Er kümmere sich eifrig um seine Hennenschar und begrüße auch jeden Morgen mit lautem Hahnenschrei. Er wäre auch sehr leicht zu fangen, sagte Luggi und verschwand kurzentschlossen. Wenig später erschien er mit Erwin II unter dem Arm, um ihn uns stolz zu zeigen. Dem Gockel schien das nichts auszumachen. Er blickte neugierig in die Runde und ließ sich auch willig streicheln.
Nur eine Kleinigkeit störte mich: ein brauner Fleck auf Erwins Kamm. Vielleicht eine Folge des strengen Frostes, vermutete Luggi. Mir aber kam der Fleck eher vor wie ein Rest Hühnerdreck. Hühner, wie ich weiß, sitzen im Hühnerstall nämlich gerne auf einer Leiter. Kann sein, dass Erwin II einmal keinen Platz mehr fand auf der obersten Sprosse und auf einer unteren Platz nehmen musste. Dabei hat er wohl ein paar Dreckspritzer von einer Henne über ihm abbekommen.
Wenn denn mein Erklärungsversuch richtig ist, dann hat Erwin II aber noch nicht den nötigen Respekt unter den Hennen. Dem Chef auf dem Hühnerhof gebührt nun mal der beste Platz und der ist die oberste Sprosse auf der Leiter. Da ist man nämlich immer dreckgeschützt ...

Hallo Axel,
zuerst möchte ich dir herzlich zu deinem Geburtstag gratulieren, welchen du wohl deiner Schilderung nach Anfang dieser Wochte gefeiert hattest.
Den braunen Fleck hat der Gockel aber bereits auf beiden Seiten seines Kammes, was dann doch ein wenig eigenartig für Hühnerscheiße wäre, die normalerweise im trockenen Zustand abbröckeln müsste.
lieber Gruß
Alexandra