Tourismus: Zwist in Bad Tatzmannsdorf
Kurort will Mitgliedsbeitrag für "Tourismusregionalverband Oberwart - Bad Tatzmannsdorf" nicht weiter bezahlen
Bad Tatzmannsdorf stellt Mitgliedsbeitrag-Zahlung an den Tourismusregionalverband ein. Die Wogen gehen hoch. Steckt parteipolitischer Streit dahinter?
von Vanessa Bruckner
¶BAD TATZMANNSDORF. Nach 18 Jahren Zusammenarbeit ist Schluss. Wie jetzt bekannt wurde,
haben Gemeinde und Kurkommision die Mitgliedschaft beim Tourismusregionalverband Oberwart - Bad Tatzmannsdorf mit 31.Dezember 2011 gekündigt. Eine Entscheidung, die Folgen für die gesamte Tourismusregion haben könnte.
Bad Tatzmannsdorfs Bürgermeister Ernst Karner erklärt: „Unsere Gemeinde ist Mitglied in vielen Institutionen. Wir haben begonnen, diese kritisch zu durchleuchten und wollen unsere Kräfte und Finanzen für jene Kooperationen bündeln, die uns auch wirklich Umsatz und Nächtigungen bringen. Die Arbeit des Tourismusregionalverbandes war eine gute, aber bringt uns nicht mehr viel.“
Streitigkeiten?
Auch der Kurfonds Bad Tatzmannsdorf hat den Vertrag mit dem Tourismusregionalverband nicht weiter verlängert. Damit ist das Zugpferd des Verbandes weg. Insider sprechen davon, dass der Austritt auf einen Zwist zwischen Tourismuslandesrätin Michaela Resetar (ÖVP) und Bürgermeister Ernst Karner (ÖVP) zurückzuführen sei.
„Karner ist bei den Landtagswahlen 2010 gegen Resetar angetreten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die beiden sich nicht leiden können“, so ein Bad Tatzmannsdorfer, der anonym bleiben möchte.
LR Michaela Resetar dementiert das vehement: „Dieses Gerücht ist völlig an den Haaren herbeigezogen. Hier will man offensichtlich böses Blut schaffen wo es überhaupt keines gibt.“
„Das Ganze hat überhaupt nichts mit persönlichen Befindlichkeiten zu tun“, kontert auch Bürgermeister Ernst Karner. „Der Beschluss war sowohl im Gemeinderat als auch in der Kurkommission einstimmig. In der Kommission sitzen die Vertreter aller großen Betriebe. Ich denke nicht, dass die Entscheidung dieser Herren etwas mit meiner persönlichen Befindlichkeit zu tun hat.“
Luipersbeck: „Ich bin gegen den Ausstieg!“
Ein sehr wichtiges Mitglied der Kurkommission fehlte allerdings bei der Abstimmung.
Rudolf Luipersbeck, Vorstandsdirektor der Kurbad Tatzmannsdorf AG: „Ich war am Tag der Sitzung verhindert und hätte mit Sicherheit nicht für den Ausstieg gestimmt. Dieser Zug ist wirtschaftlich nicht verständlich, solche Entscheidungen gehören vorher genauestens ausdiskutiert. Die Tourismusregion Südburgenland könnte dadurch verloren gehen.“
Und weiter: „Ich denke schon, dass diese Entscheidung etwas mit politischen Befindlichkeiten zu tun hatte.“
Mögliche Auswirkungen
Klare Worte gibt es auch vom Geschäftsführer des Tourismusregionalverbandes OW-BT, Hans Peter Neun: „Dass Bad Tatzmannsdorf den Vertrag nicht verlängert, stellt für mich die gesamte südburgenländische Tourismusregion als Destination in Frage. Der Mitgliedsbeitrag,
den die Gemeinde zahlen hätte sollen, ist lächerlich in Relation zu dem, was unser Verband an Arbeit geleistet hat. Wir haben zum Beispiel den Tourismusinfokanal kreiert, der in mehreren Hotels der Gemeinde läuft und waren an der Entwicklung der Lauf- und Walkingarena beteiligt.
Zahlen wollen sie nicht mehr, wohl aber unsere Entwicklungen weiter nutzen.“
Und weiter: „Durch die Kündigung der freiwilligen Mitgliedschaft steht auch die Zukunft der Lauf- und Walking Arena in Frage. Andere Gemeinden zahlen für dieses Produkt einen Mitgliedsbeitrag an Bad Tatzmannsdorf. Der Kurort wiederum will nicht mehr für den gemeinsamen Tourismusverband bezahlen, von dem in Summe auch andere Gemeinden profitieren.
Die Ortschaft Bernstein ist Mitglied beim Regionalverband OW-BT und der Walkingarena. Bürgermeisterin Regina Habetler: „Bei der letzten Vollversammlung des Verbandes, Ende November, war noch keine Rede davon, dass Bad Tatzmannsdorf den Mitgliedsbeitrag nicht weiter bezahlen will. Lässt uns die Gemeinde hier im Stich, stellt sich die Frage, warum wir weiter für die Mitgliedschaft der Lauf- und Walkingarena zahlen sollten.“
Ausgetreten oder nicht?!
Interessant: Während das Büro der zuständigen Landesrätin und der Tourismusregionalverband nur von einem „nicht zahlen Wollen des freiwilligen Mitgliedsbeitrages“ der Gemeinde Bad Tatzmannsdorf sprechen und eine Lösung finden wollen, sagt Bürgermeister Ernst Karner ganz klar: „Es gibt nichts zu bezahlen, wir sind aus dem Verband ausgetreten.“ Projektbezogene Kooperationen könne er sich aber, so Karner, in Zukunft selbstverständlich vorstellen.
