"Wir werden auch unseren Mann stehen"
Interview mit den beiden ersten Bürgermeisterinnen des Bezirkes
Renate Habetler ist seit zwei Monaten Bürgermeisterin von Bernstein. Brigitte Schendl wurde vergangene Woche in Mischendorf angelobt.
von Vanessa Bruckner
¶Bezirksblätter: Sie sind die beiden allerersten Bürgermeisterinnen im Bezirk Oberwart. War Ihnen vorher bewusst, was auf Sie zukommt?
HABETLER: Ja schon. Der Medienrummel zu Beginn war dann aber doch unerwartet groß.
SCHENDL: Die Entscheidungsfindung war bei mir nicht einfach, das hängt meiner Meinung nach aber von der Person und nicht vom Geschlecht ab. Entweder man kann es sich vorstellen, diesen Job zu machen oder eben nicht.
BB: Trotzdem, es muss doch auch etwas geben, was Frauen in der Politik besser als Männer können?
HABETLER: Politik sollte geschlechtsneutral behandelt werden.
SCHENDL: Ich hoffe, dass das auch wirklich alle Leute so sehen.
HABETLER: Ich bin schon stolz darauf Bürgermeisterin zu sein, aber ich möchte keine Wertigkeit. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Wir Frauen haben unseren sechsten Sinn und es gibt Dinge, da entscheiden wir ganz anders als Männer und das finde ich positiv. Ich bin Mutter, Ehefrau, Geschäftsfrau, Hausfrau und Politikerin. Das bringe ich unter einen Hut.
BB: Als Frau ...
HABETLER: Genau. Ein Herr Bürgermeister muss sich untertags wohl keine Gedanken darüber machen ob die Wäsche gewaschen ist oder was er heute Mittag kocht. Meine Kinder waren übrigens sprachlos, als ich Bürgermeis-terin wurde. Die konnten nicht glauben, dass ich mir das neben all meinen anderen Aufgaben auch noch „antue“.
SCHENDL: Das hör ich momentan auch oft.
HABETLER (lacht und unterbricht): Sehen Sie, diese Blitzerei mit Ihrem Fotoapperat. Die macht mich am meisten fertig. Man glaubt gar nicht worauf die Leute schauen bei einer Frau. Da kommen dann Sachen wie „Schau, was sie da wieder an hatte oder „warum hat sie für den Anlass ein Dirndl angezogen?“
SCHENDL: Stimmt, ein Politiker braucht einen guten Anzug und aus.
BB: Die Klassiker-Frage: Wie bringt man Familie und Politik als Frau unter einen Hut?
HABETLER: Reine Einteilungssache. Zeitmanagement war mein Leben lang schon obers-tes Gebot für mich.
SCHENDL: Ich kann dazu ja noch nicht viel sagen aber ich hatte bis dato nicht wenig zu tun und es wird auch jetzt, als Bürgermeisterin, alles funktionieren.
BB: Stellt man es sich anders vor, das „Bürgemeisterin Dasein“ als es dann ist?
HABETLER: Ich bin immer wieder erstaunt, dass ich`s zambring (lacht).
SCHENDL: Super, das macht Hoffnung (schmunzelt).
BB: Frau Schendl, Sie wurden ja erst vor wenigen Tagen angelobt. Spielt auch ein bisserl Angst im Hinblick auf die politische Herausforderung mit?
SCHENDL: Angst würde ich das nicht nennen. Du musst dir zu helfen wissen, das war aber noch nie ein Problem für mich.
HABETLER: Perfekte Menschen sind uninteressant - habe ich kürzlich gelesen. Männer in unserer Position zeigen es vielleicht nicht immer wenn sie nicht weiter wissen.
BB: Wie gehen Sie mit Gegenwind um? Kämpft Frau Bürgermeisterin da auch mal mit den Waffen eines Mannes?
HABETLER: Ich denke es kämpft sich besser mit der Waffe einer Frau. Gezielt den Charme spielen lassen ist doch besser als immer die Boxhandschuhe anzuziehen.
SCHENDL: Wir werden genauso unseren Mann stehen.
BB: Was hat Sie am politischen Geschehen in Ihrer Gemeinde bislang am meisten geärgert aber auch gefreut?
HABETLER: Dass sich immer mehr Frauen politisch engagieren, das freut mich.
SCHENDL: Die Zusammenlegung der Volksschulen war ein toller Schritt, ein sehr wichtiger, denn daraus haben sich viele neue Freundschaften entwickelt.
BB: Ist die Frau Bürgermeisterin mittlerweile schon selbstverständlich in Bernstein oder werden Sie von vielen noch wie ein bunter Hund angesehen?
HABETLER: Da ich davor schon zweite Vizebürgermeisterin war, behandelt man mich wie zuvor, da hat sich nicht viel geändert.
SCHENDL: Ich habe da ja noch kaum Erfahrung, aber ich denke schon, dass ich für viele noch etwas Exotisches bin. Es wird auch schwierig werden, manchmal. Sagt mir zumindest mein Gefühl. Unlängst stellte sich ein 80-jähriger Mann vor mich hin und meinte laut „Wer hat den jetzt a Frau als Bürgermeisterin da vorne hingestellt“? Aber es ist meine Aufgabe, genau die-
se Leute zu überzeugen.
BB: Und wie wollen Sie das anstellen?
SCHENDL: Ich werde einfach noch mehr als früher auf die Leute zugehen.
HABETLER: Vor mir hat kürzlich ein Herr der älteren Garde, wenn man so will, salutiert und meinte dann „Es wäre mir eine Ehre wenn ich dich mit Renate und nicht mit Frau Bürgermeisterin anreden dürfte.“ Da dachte ich, na bitte, wenn`s weiter nichts ist. Natürlich! (schmunzelt).

