2012 - Das Jahr der wirtschaftlichen Herausforderungen
Beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer in Reutte war die Stimmung durchwegs positiv. Überrascht zeigten sich die Veranstalter über den Besucherstrom, der heuer so stark wie lange nicht mehr war.
Bettina Kerschbaumer, führte elegant durch das anspruchsvolle Programm, das vom Publikum zustimmend und interessiert aufgenommen wurde.
Musikalisch aufgelockert durch die begnadeten Einlagen der »Lehrerjazzband« der Musikschule Reutte.
Der Präsident der Wirtschaftskammer Dr. Jürgen Bodenseer lässt in seiner Ansprache keine Zweifel, dass die Konjunktur abflacht, aber von einer Wirtschaftskrise nicht zu sprechen ist. Es handle sich vielmehr um eine Staatsschuldenkrise.
»Es ging uns allen bisher recht gut«, so Bodenseer zu Beginn seiner Rede, »doch das Leben kann so nicht weiterlaufen.«
Schuldenbremse; das ist das Thema, das derzeit unter aller Nägel brennt. Allerdings, wie Bodenseer anmerkt, kann derzeit niemand sagen, was auf uns zukommt, wem es nutzt und wie es sich auswirken wird.
»Wir haben aus der letzten Krise zu wenig gelernt«, Bodenseer ist der Meinung, dass der Lernprozess bei den meisten erst jetzt einsetze und viel zu langsam ablaufe.
Es wäre an der Zeit, um »intelligent zu sparen«. Altes entholzen, besonders das Dickicht rund um Förderungen oder Subventionen und flexiblere Strukturen für die Wirtschaft zu schaffen.
Damit ist aber nicht gemeint die Steuern zu erhöhen, sondern die Ausgaben effizienter zu gestalten.
Dabei spart Bodenseer nicht mit Kritik an Gewerkschaft und Arbeiterkammer, die, wie er meint, durch ihren Einsatz eher nachteilig wirken.
2012 wird also spannend; werden es Steuererhöhungen, Neustrukturierungen bei den Pensionen, ein Umbau im Gesundheitswesen oder eine Kürzung bei den Förderungen, irgendwo muss das Geld herkommen?
Nicht selten liegen die Probleme aber versteckt, wie WK- Bezirksobmann Mag. Michael Baldauf anspricht.
Kann man in Ballungszentren jederzeit auf eine optimale Infrastruktur zugreifen und sich neuester Datentechnologien bedienen, muss man in Randregionen solche erst schaffen.
Ein Ziel heißt die flächendeckende Versorgung mit dem neuesten Stand der Technik.
Sowohl infrastrukturell, als auch finanziell muss für bessere Voraussetzungen gesorgt werden, damit die Region den Anschluss nicht verliert.
In diesem Jahr wird auch die »Reuttener Wirtschaftsmeile« als Leistungsschau der regionalen Wirtschaft in Außerfern und Allgäu für Aufmerksamkeit sorgen. Ein breites Spektrum an Angeboten bis hin zur Kinderbetreuung sollen ein Gefühl für Regionalität und Versorgungsnähe schaffen und das »Heimische« populärer machen.
Ein neues Ausbildungsmodell begann 2011 besonders ins Rampenlicht zu rücken.
Lehre mit Matura.
Das Konzept verlängert die Lehrzeit an sich nicht, es müssen vom Absolventen zusätzliche Kurse gemacht und dieser vom Ausbilder dafür freigestellt werden. Damit die jungen Menschen mit dieser Aufgabe nicht allein stehen gibt es einen Coach, dem sie sich anvertrauen dürfen und der bei Problemen zur Verfügung steht.
Einziger Wermutstropfen, wegen der noch geringen Nachfrage finden Kurse nur in Imst oder Innsbruck statt.
Schule und Bildung sind die Zukunft der Wirtschaft, daher tritt Baldauf dem Fachkräftemangel gegenüber und sagt:
»Wir versuchen dem durch die verstärkte Verknüpfung von Schule und Wirtschaft entgegen zu wirken.«
Unter diesem Aspekt läuft das Projekt »Firi«(Finanz und Risikomanagement) an der HAK Reutte. Dabei kann sich Baldauf auch einen »Lehrlingsaustausch« mit Nachbarregionen wie etwa aus Bayern vorstellen. Dazu wird sicherlich das «Berufsfestival 2012« einen Beitrag leisten, das wieder in Zusammenarbeit mit Schulen und Unternehmen dies und jenseits der Landesgrenze abgehalten wird.
Ein wichtiges Thema, besonders im Außerfern, ist die Integration von behinderten Menschen am Arbeitsmarkt. Seit seinem Ruhestand als Unternehmer engagiert sich Peter Müller als Bezirksobmann der Lebenshilfe. Neben dem Verein »Via Nova« kümmert man sich dort nun ebenso um die Eingliederung Behinderter. Wie Müller ausführte, schaffen neue gesetzliche Rahmen ab 2012 deutlich leichtere Umsetzungen und Möglichkeiten.
Im Bezirk Reutte war die Arbeitslosenquote 2011 um 4,1 Prozent unter der von 2010. Ein Plus von 2,3 Prozent an offenen Stellen, bei den Lehrstellen sogar
um 10,7 sorgten für ein ausgeglichenes Arbeitsleben.
Die heimische Wirtschaft hatte ein durchwegs erfolgreiches Jahr 2011, aber in 2012 ist einiges an Unsicherheit verpackt, sodass das Wachstum erstmal gebremst werden wird, aber eine Rezension wäre noch nicht in Sicht.

