Schuldenalarm: Welche Gemeinde schreibt rote Zahlen?

Grafik: Gelbe Säulen stehen für die Kommunalsteuereinnahmen pro Kopf, der Schuldenstand/pro Kopf ist rot gekennzeichnet und die blaue Säule stellt den Gemeindeumsatz pro Kopf dar!
 

Die von der Statistik Austria und vom Amt der Tiroler Landesregierung, Raumordnung-Statistik, erhobenen Zahlen betreffend Schuldenstand der Gemeinden, Pro-Kopf-Verschuldung sowie der Gemeindeabgaben und Ertragsanteile für das Jahr 2009 liegen vor.

Im Ranking der 279 Tiroler Gemeinden einschließlich der Stadt Innsbruck liegt Breitenwang an erster Stelle – die Außerferner 1.500-Seelen-Gemeinde lag bereits im Vorjahr auf Platz zwei und hat heuer Ischgl verdrängt. Ganz hinten in dieser Tabelle liegt weiterhin die Gemeinde Faggen im Kaunertal.

Diese Tabelle sagt alles über die Finanzkraft der Tiroler Gemeinden aus. Allerdings sind dabei die Gemeindeeinnahmen den Ausgaben im Verhältnis zum Bevölkerungsstand entgegenzusetzen.

Als anschauliches Beispiel darf hier die Gemeinde Gramais im Außerfern herangezogen werden. Bei ganzen 66 Einwohnern und einem Gemeindeschuldenstand von 2,3 Millionen Euro ergibt dies eine Pro-Kopf-Verschuldung von unfassbaren 36.178 Euro und einen Verschuldungsgrad von 100 %. Gramais liegt dennoch in der Tabelle nicht an letzter Stelle, weil sich die Kommunalsteuer pro Kopf auf 37,8 Euro beläuft (Vergleich: Faggen: 14,1 Euro pro Kopf). Dazu kommt noch der Gemeindeumsatz pro Einwohner (Gramais: 778 Euro pro Kopf/Faggen: 668,3 Euro). Dieser ermittelt sich aus den eigenen Steuern (Gemeindeabgaben im Sinne des Finanzausgleichs wie Grundsteuer A und B, Kommunalsteuer, sonstige Steuern etc., siehe Kasten rechts) und den Abgabenertragsanteilen (Anteil der Gemeinde an den gemeinsamen Bundesabgaben gemäß Finanzausgleichsgesetz).
Spitzenreiter Breitenwang hat folgende Zahlen zu bieten: 1.586 Einwohner, Gemeindeschuldenstand: 2,3 Mio Euro, pro-Kopf-Verschuldung: 1.488 Euro, Verschuldungsgrad 36,1 Prozent, Kommunalsteuer: 1.382 Euro pro Kopf und 2.192,- Euro Gemeindeumsatz!

Lienz auf Platz 16, Lavant auf 18
Dazugesagt muss jetzt werden, dass diese Ergebnisse noch im Verantwortungsbereich der GemeinderätInnen, die bis zur Neuwahl 2010 im Amt waren, liegen.

Lag die Gemeinde Lienz bereits 2008 ganz ausgezeichnet im Rennen, so gab es 2009 sogar noch eine Steigerung. Lienz liegt in dieser Aufstellung mit Stichtag 31.12.2009 an hervorragender 16. Stelle (Vorjahr Rang 17) aller 279 Tiroler Gemeinden. Die Zahlen sprechen für sich: 11.987 Einwohner, Gemeindeschuldenstand: 12 Mio. Euro, Pro-Kopf-Verschuldung: 1.002 Euro, Verschuldungsgrad in Prozent: 40,8 Prozent Kommunalsteuer: 402 Euro pro Kopf, Gemeindeumsatz: 1.410 Euro! Auch eine der kleinsten Gemeinden Osttirols, nämlich Lavant, konnte ihren ohnehin guten Rang verbessern und machte einen Sprung von Platz 21 auf Platz 18. Die Zahlen: 278 Einwohner, Gemeindeschuldenstand: 2.111.537 Euro, Pro-Kopf-Verschuldung: 7.595 Euro, Verschuldungsgrad in Prozent: 61,3 Prozent, Kommunalsteuer: 352,3 Euro, Gemeindeumsatz: 1.378 Euro.

Die restlichen Platzierungen
Auch andere Osttiroler Gemeinden schafften es noch unter die Top100. Heinfels, Abfalterbach, Strassen und St. Jakob liegen unter den ersten 100. Trotz einer Verbesserung von vier Plätzen verfehlte die Gemeinde Matrei den Einzug in die Top-100 mit Platz 101 ganz knapp.

Die höchsten Schuldenstände haben die beiden größten Gemeinden Osttirols, nämlich Lienz mit 12 Millionen und Matrei mit 11 Millionen Euro. Die niedrigsten die beiden kleinsten: Amlach mit 260.000 und Untertilliach mit 172.000 Euro.

Das Gemeinderanking
Top-30-Gemeinden in Tirol: 1. Breitenwang (2.), 2. Ischgl (1.), 3. Kundl (5.), 4. Seefeld (3.), 5. St. Anton (4.), 6. Serfaus (6.), 7. Wattens (8.), 8. Kitzbühel (9.), 9. Innsbruck (10.), 10. Jungholz (12.), 11. Sölden (7.), 12. Grän (13.), 13. Gerlos (11.), 14. Fiss (14.), 15. Reutte (15.), 16. LIENZ (17.), 17. Strass i.Z (20.), 18. LAVANT (21.),
19. Tux (16.), 20. Kematen (24.), 21. Hall (25.), 22. Wörgl (22.), 23. Mayrhofen (23.), 24. Lermoos (18.), 25. Rattenberg (19.), 26. Stans (28.), 27. Kufstein (31.), 28. Berwang (26.), 29. Oberndorf (29.), 30. Brixlegg (32.)
(Angaben in Klammer = Platzierung im Vorjahr)

Die weiteren Platzierungen der osttiroler Gemeinden:
42. Heinfels, 55. Abfaltersbach , 65. Strassen, 71. St. Jakob, 101. Matrei, 105. Sillian, 117. Assling, 129. Nußdorf/Debant, 131. Leisach, 142. Kals, 147. Obertilliach, 156. Hopfgarten, 157. Kartitsch, 158. Außervillgraten, 165. Ainet, 168. Amlach, 174. St. Johann, 193. Thurn, 204. Dölsach, 207. Gaimberg, 211. St. Veit, 226. Iselsberg, 227. Anras, 233. Virgen, 234. Nikolsdorf, 235. Prägraten, 246. Oberlienz, 254. Untertilliach, 257. Innervillgraten, 266. Schlaiten, 269. Tristach


Gemeindesteuern & Gemeindeumsatz
Abgabenertragsanteile: Anteile der Gemeinden an den gemeinschaftlichen Bundesabgaben gemäß dem Finanzausgleichsgesetz.
Ausschließliche Gemeindeabgaben: Summe der eigenen Steuern (Grundsteuer A und B, Kommunalsteuer und sonstige Steuern).
Kommunalsteuer inkl. Gewerbesteuernach- bzw. Gewerbesteuerrückzahlungen:
Kommunalsteuer (Gemeindesteuer) ersetzt seit der Steuerreform 1993 die Lohnsummen- und die Gewerbesteuer. Die Kommunalsteuer beträgt 3 % der Bemessungsgrundlage (Arbeitslöhne für Dienstnehmer von Betriebsstätten in einer Gemeinde). Steuerschuldner ist der Unternehmer.
Gemeindeumsatz: Der Umsatz der einzelnen Gemeinden ermittelt sich aus den eigenen Steuern (Gemeindeabgaben im Sinne des Finanzausgleichs wie Grundsteuer A und B, Kommunalsteuer, sonstige Steuern etc.) und den Abgabenertragsanteilen.

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