Welterbe-Wächter: ,Wachau wackelt‘
Knalleffekt: Experte wird bei UNESCO Prüfverfahren wegen des Betriebs-Stopps der Wachaubahn einleiten
Niederösterreich ist stolz auf den Welterbestatus für sein Top-Tourismusziel Wachau. Doch nun schlägt der von der UNESCO beauftragte Wächter des Welterbes Alarm. Die Stilllegung der Bahn könnte den Status Welterbe gefährden.
NÖ (OH). Acht mal ist die Wachaubahn in der Einreichung für das Unesco Welterbe Wachau erwähnt. In den höchsten Tönen wird die Schönheit der Strecke und die Harmonie mit der Landschaft hervorgehoben. Argumente, welche Mitgrund für die UNESCO waren, die Wachau im Jahr 2000 in den Status Weltkulturerbe zu erheben.
Und genau aus diesem Grund könnte das Welterbe nun in Gefahr sein. Denn mit 12. Dezember wird der Regelbetrieb auf der Bahnstrecke eingestellt. Das Land Niederösterreich will die Gleisanlagen erhalten und in den Sommermonaten für Ausflugsfahrten nutzen. Nun schlägt der von der UNESCO beauftragte „Wächter“ des Kulturerbes Wachau Alarm. Wilfried Posch ist bei der offiziellen Welterbe-Monitoringstelle ICOMOS für die Region zuständig. Und er sieht akute Gefahr: „Ich werde bei der UNESCO in Paris Bericht erstatten, dass durch die Einstellung der Bahn der universelle Wert des Welterbes in Gefahr ist. Ich gehe davon aus, dass die UNESCO darauf reagiert und eine Kommission entsendet, die prüft, ob der Welterbe-Status aufrecht bleiben kann.“
Bislang wurde in Österreich ein derartiges Verfahren erst zweimal eingeleitet. In Wien Mitte gefährdeten geplante Hochhäuser den Welterbe Status. Das Projekt wurde abgeblasen. In Graz wurde die Erhöhung des Kastner&Öhler-Hauses geprüft und kein Grund zum Einschreiten gefunden. Posch: „Dieser Prozess kann zur Aberkennung des Welterbe-Status führen. In Dresden ist das passiert, weil eine Brücke über die Elbe ein zu großer Eingriff war. Und auch für die Wachau ist das nicht ausgeschlossen.“ Welterbe-Manager Michael Schimek hat keine Freude mit der Entwicklung, glaubt aber nicht an ein ähnliches Schicksal: „Es stimmt, dass die Bahn in der Einreichschrift prominent vorkommt. Aber wir erhalten ja die Bahnlinie im historischen Zustand. Die Landschaft bleibt wie sie ist, somit sehe ich keine Gefahr für das Welterbe.“
Experte Posch sieht das anders: „In der Welterbe-Konvention steht klipp und klar, dass Bauwerke in Bestand und Wertigkeit erhalten werden müssen. Die Einstellung des Regelbetriebes bedeutet eine Abwertung und somit einen eklatanten Verstoß gegen die Welterbekonvention.“ Zudem fürchtet Posch, dass die Ersatz-busse nicht funktionieren: „Auf der engen Bundesstraße blockieren Ausflügler oder Weinbauern mit Traktoren den Verkehr. Es wird zu längeren Fahrzeiten und Verspätungen kommen.“
REAKTIONEN AUS DEM BEZIRK
Das Weltkulturerbe ist eine bedeutende historische Anerkennung, welche aus wirtschaftlicher Sicht für die gesamte Wachau besonders wichtig ist. Eine Einstellung des Regelbetriebes sollte aber keine Gefahr darstellen.
MELK. Die Stilllegung der Wachaubahn und das damit verbundene Prüfverfahren des ‚Welterbe-Wächters‘ stößt auch im Bezirk Melk auf großes Unverständnis.
Die Tourismusmanagerin der Burg-ruine Aggstein Christine Jäger denkt, dass eine Aberkennung dieser Auszeichnung auch geringfügige Konsequenzen hätte: „Alles was einem weggenommen wird, ist in den Köpfen der Bevölkerung mit einem Minus verbunden.“
LA Karl Moser kann die ganze Aufregung gar nicht verstehen: „Zur Zeit besteht diesbezüglich gar keine Thematik. Die Bahn bleibt für touristische Zwecke aufrecht und somit sollten die Kriterien erfüllt sein. Das Weltkulturerbe ist für den Tourismus sehr wichtig und somit auch ein enormer wirtschaftlicher Faktor für die Wachau.“
LA Emmerich Weiderbauer kann sich eine Aberkennung auch nur schwer vorstellen: „Falls die Bahn wirklich dafür ausschlaggebend sein sollte, wäre dies eine grobe Fahrlässigkeit der für die Stilllegung verantwortlichen Personen.“.

BEZIRKSBLÄTTER KOMMENTAR
von Christian Trinkl
Schmetterlingseffekt
So hat man sich das in der Wachau und im Land wohl nicht vorgestellt: Die Einstellung des Regelbetriebs der Wachaubahn mit Mitte Dezember könnte ungewollte Auswirkungen haben. Die Welterbe-Monitoringstelle (ja, so was gibt es) sieht darin einen „eklatanten Verstoß“ gegen die Konvention der UNESCO und droht mit Entzug des prestige- (und wirtschaftsträchtigen) Status des Weltkulturerbes. Zu hoffen bleibt, dass die Verantwortlichen die Alarmmeldung aus den heimischen Gefilden als das wahrnehmen, was sie ist: eine Überreaktion. Denn weder wird eine Autobahn durch die Wachau geplant, noch ein früher immer wieder diskutierter Kraftwerksbau in Erwägung gezogen – ja noch nicht einmal eine Brücke soll entstehen. Es wird sich im Welterbe genau gar nichts verändern, die Natur wird so schön bleiben wie eh und je. Nur ein paar kleine Züge werden die Landschaft nicht mehr durchstreifen. Das ist zwar bedauerlich, aber sicher kein Grund für eine Aberkennung des Welterbestatus‘.
Beim berühmten Schmetterlingseffekt, kann der Theorie nach ein Flügelschlag einen Tsunami auslösen. Bleibt zu hoffen, dass es die UNESCO-Kommission bei einem lauen Lüftchen belassen wird.