Schneepflugfahrer als Sündenböcke

Die Gemeinde Breitenbach hat heuer einen gebrauchten Schmalspurtraktor angeschafft, um die Leistung zu erhöhen. (Foto: Naschberger)

Der Rekordschneefall sorgte für Konflikte zwischen Winterdienstarbeitern und Einwohnern.

BEZIRK (mel). Obwohl die Skigebiete und Wintersportler höchst erfreut über den heurigen Winter sind, ist die Schneeräumung für die Gemeinden eine echte Herausforderung: Die Winterdienstbeschäftigten arbeiteten in den vergangenen Wochen auf Hochtouren. Sie legten Extra-Schichten ein, Überstunden in der Nacht und an den Feiertagen standen fast an der Tagesordnung. „In Wörgl
starteten wir trotz zusätzlicher Beiziehung von Fremdfirmen mit der Schneeräumung an sehr vielen Tagen schon um 2.00 Uhr“, erklärt Amtsleiter Alois Steiner. Die meisten Bürger konnten Verständnis dafür aufbringen, dass nicht jede Straße gleichzeitig geräumt werden kann, jedoch gab es auch einige, die es nicht tolerieren konnten, wenn Schnee auf „ihrer“ Straße lag. So beschimpften in Brandenberg und Kufstein wütende Bürger die Schneepflugfahrer auf der Straße und teilweise sogar telefonisch auf dem Privathandy.

Daraufhin versendete in Brandenberg Bürgermeister Hannes Neuhauser einen Brief an alle Gemeindebürger mit der Aufforderung, etwaige Beschwerden ausschließlich an das Gemeindeamt zu richten. „Ich halte solche Aktionen für inakzeptabel und verwerflich, ein für mündige Bürger unwürdiges Schauspiel“, teilte Bgm. Hannes Neuhauser den Brandenbergern in seinem Brief mit. In Kufstein wandte sich ein Schneepflugfahrer mit einem Leserbrief an das Bezirksblatt, der sich über verbale Attacken der Verkehrsteilnehmer beschwerte. Hingegen lief es in anderen Orten, so wie in Kundl, Niederndorf oder in der Wildschönau, einigermaßen ruhig ab. „Solche wüsten Beschimpfungen dürfen nicht vorkommen! Wir müssen froh über unsere fleißigen Mitarbeiter sein und ihnen ein Lob aussprechen, anstatt sie zu attackieren“, ärgert sich der Wildschönauer Bürgermeister Rainer Silberberger über die Vorkommnisse in anderen Gemeinden.

In Reith und Erl gab es hingegen sogar mehr Lob als in „normalen“ Wintern. „Aufgefallen ist, dass noch nie so viele Gemeindebürger sich so lobend gemeldet haben, was uns außerordentlich freut. Natürlich kam es zu einigen wenigen Beschwerden, aber Beschimpfungen oder ähnliches gab es bei uns nie“, erklärt Ludwig Moser, Amtsleiter von Reith.

Geräte
Die Gemeinde Breitenbach hat heuer ein gebrauchtes Spezialgerät angeschafft und damit die Leistungsfähigkeit (Fräse, Streuer) noch erhöht. Erschwerend wirkte sich in Wörgl beim letzten Schneefall der Ausfall einer Schneefräse aus. Auch in Kundl kam es zu einem technischen Defekt an einem Gerät. Unverzüglich stellte die Firma Lindner der Gemeinde Kundl ein Ersatzgerät während der Reparaturzeit zur Verfügung.

Rechte und Pflichten?
Die meisten Konflikte zwischen Bürgern und Winterdienst entstehen durch die Frage: „Was darf man und was nicht?“. Um die Einwohner entsprechend aufzuklären, teilte in Alpbach der Bürgermeister den Einwohnern die Rechte und Pflichten in einer Gemeindeversammlung mit. In anderen Gemeinden, wie zum Beispiel Thiersee, gab es „vorbeugende“ Artikel in der Gemeindezeitung, in denen auf die gesetzlichen Bestimmungen verwiesen wurde.

Anton Geisler, Amtsleiter von Ebbs, appelliert an die Bevölkerung: „Wir möchten den Bürgern nahe legen, dass diese den Schnee vor ihrem Haus nicht auf die Straße kippen dürfen! Das ist unfair und unzulässig! Weiters verstehen die Anrainer oft nicht, dass sie die beim Vorbeifahren des Schneepfluges entstandenen ,Riedel‘ selbst entfernen müssen“.

Danke an den Winterdienst
Die Bürgermeister sind sehr stolz auf ihre Mitarbeiter, die Tag und Nacht voll im Einsatz stehen. „In Breitenbach ist die Bevölkerung voll des Lobes für die immer gut geräumten und gestreuten Straßen. Ich möchte dem Bauhof für diese tolle Arbeit einfach gratulieren!“, so Bürgermeister Alois Margreiter. In diesem Sinne möchten sich alle Gemeinden auch auf diesem Weg bei allen mit dem Winterdienst betrauten Personen für ihren Einsatz für die Öffentlichkeit bedanken.

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