Die "weiße Gefahr" ist weiterhin groß

von Martina Weymayer aus Kirchdorf an der Krems | am 19.01.2012 | 68 mal gelesen | 0 Kommentare | 0 Bildkommentare | 1 Bild
Die Hundeführer des oberösterreichischen Bergrettungsdienstes und ihre Lawinenhunde sind landesweit die Spezialisten für Such- und Lawineneinsätze im alpinen Gelände.

Im Bezirk herrscht erhebliche Lawinengefahr. Die Hälfte aller Unfälle passiert unter diesen Bedingungen.

BEZIRK (wey). 36 Menschen kamen 2010 in Österreich durch Lawinen ums Leben. Wesentlich mehr wurden schwer verletzt. Betroffen sind vor allem Skitourengeher und so genannte „Variantenfahrer“ – das sind Skifahrer und Snowboarder, die abwechselnd Pisten und freies Gelände befahren.

Bis vor wenigen Tagen herrschte im südlichen Oberösterreich Lawinengefahr der Warnstufe vier auf einer fünfteiligen Skala. Große Neuschneemengen hatten immer wieder zu Lockerschnee- und Schneebrettlawinen geführt. Obwohl aktuell Warnstufe drei gilt, ist die Wahrscheinlichkeit von Schneebrettern über der Waldgrenze noch immer hoch.

Dass die meisten Wintersportler diese Situation unterschätzen, zeigt ein Blick auf die Statistik: Fast die Hälfte aller Lawinenunfälle passiert bei den aktuell vorherrschenden Wetterbedingungen. Für die nächsten Tage geben Experten daher noch keine Entwarnung.

Ungewöhnliche Konstellation
Eine Lawine hat am 9. Jänner auf der Wurzeralm in Spital am Pyhrn einen Großeinsatz der Bergrettung ausgelöst. Laut Peter Hager, Betriebsleiter der Hinterstoder-Wurzeralm Bergbahnen AG, ging vom „Toten Mann“ Richtung Brunnsteinersee ein großes Schneebrett ab. Nachdem in diesem Bereich einige Skifahrer unterwegs waren, gab es anfangs die Vermutung, dass vier Personen verschüttet worden seien. „Zufällig war ein Mitglied der Bergrettung selbst im Gelände unterwegs, der die Sache beobachtet hatte“, sagt Hager. „Eine Suchaktion wurde eingeleitet. Wenig später tauchten die Vermissten aber im Tal auf und die Suche wurde eingestellt.“ Am nächsten Tag ging im selben Gebiet eine weitere Lawine ab, diesmal von der anderen Seite.

„Der Boden ist nicht durchgefroren. Auf dem warmen Untergrund rutschen viele Grundschneelawinen ab. Die derzeitige Konstellation ist für die Jahreszeit eher untypisch“, sagt Arthur Rohregger, Landesleiter der OÖ. Bergrettung aus Roßleithen. Lawinenreferent Heli Steinmaßl erklärt: „Die vergangenen zwei Wochen waren sehr turbulent. Durch den orkanartigen Wind und die Neuschneemengen schwankte die Lawinengefahr täglich zwischen Stufe eins und vier. Während im Hengstpassgebiet weniger Schnee gefallen ist, war die Lage im Warscheneckgebiet teilweise dramatisch.“

Viele Unfälle werden jedoch nicht von den riesigen Staublawinen ausgelöst, sondern von Schneebrettern und Nassschnee-Lawinen. Sie schauen meist harmlos aus. Wenn ein Opfer unglücklich verschüttet wird, kann allerdings schon eine Badewanne voll Schnee tödlich sein. Selbst geringe Schneemengen, die vom Wind verfrachtet und auf Steilhängen und in Rinnen angelagert werden, können lebensgefährlich sein. Wer im alpinen Gelände unterwegs ist, sollte ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät sowie Sonde und Schaufel mitnehmen.

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