Jugendbeteiligung in Grein - Überzeugungsarbeit leisten
Die Ablehnung der "Plattform Jugendbeteiligung" ist zwar bedauerlich, aber kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Es muss Überzeugungsarbeit geleistet werden.
Eine vernetzte gut funktionierende Jugendarbeit können sich viele Kollegen im Gemeinderat noch nicht vorstellen. Die großen Fraktionen erheben den Anspruch, Jugendarbeit für ihre Partei leisten zu müssen. Wenn man die Alternativen ansieht, müsste ein Denkprozess beginnen.
Vernetzte Jugendarbeit verbindet Vereine, Schulen, Jugendzentrum, ehrenamtliche Institutionen, Schulsozialarbeit und Gemeinde punktuell miteinander. Es setzt ein kreativer Prozess ein und man kann heute nicht sagen, was aus diesem Projekt genau wird. Man kann aber mit Ruhe behaupten, es wird positiv sein.
Eine zweite Ebene betrifft Gemeinwesenarbeit. Ziel ist die "präventive Verhinderung sozialer Ausgrenzung und die Unterstützung beim Aufbau eines selbstständigen und eigenverantwortlichen Lebens" (aus dem Leitbild VSG - Linz). Auf dieser Ebene geht es schon um Probleme, die im Leben der Jugendlichen zu sichtbaren Zeichen geführt haben. Die Lockerheit der ersten Ebene (vernetzte Jugenarbeit) ist verschwunden. Eltern und Jugendliche haben Probleme ihre Kommunikation aufrecht zu erhalten und brauchen Hilfe von außen.
Eine dritte Ebene stellt der Maßnahmenkatalog der Jugendwohlfahrt dar. Hier wird eine Schwelle überschritten, weil viele Probleme nicht mehr auf freiwilliger Basis gelöst werden. Das Wohl der Kinder und Jugendlichen ist teilweise ohne Zwang nicht mehr sicher zu stellen, bzw. es werden Grenzbereiche ausgetestet.
Als letzter Schritt kommt die Polizei und Justiz ins Spiel, wenn Jugendliche Straftaten begehen. Schon am Beginn einer Diskussion nach Polizei und Justiz zu schreien, ist im Extremfall vielleicht notwendig. Aber von Gemeindevertretern erwarte ich mir Maßnahmen auf der obersten Ebene, weil dazu sind wir der Gemeinschaft vor Ort verpflichtet.
Es geht im Kern darum, die "Gewohnheitsenergie" der Jugendlichen auf diese obere Ebene zu lenken. Sie sollen nicht am Bahnhof stehen und schauen, ob die Polizei kommt, weil sie jemand angezeigt hat, sondern sie sollen in unserer Gemeinde akzeptierte Freiräume bekommen, wo sie ihre Gewohnheiten im Rahmen des normalen entwickeln können. Emotionen und Denkweisen, welche beide Situationen großteils unbewusst begleiten, sind grundlegend verschieden und formen Gewohnheiten der Jugendlichen in die eine oder eben die andere Richtung. Wir sind dazu da, um diese Freiräume zu definieren, dann sind wir auch berechtigt, Grenzen zu setzen und zu verlangen, dass extremes Verhalten nicht toleriert wird.
Quellenangabe für Bild und Zitat "Leitbild VSG"
VSG - Verein für Sozialprävention und Gemeinwesenarbeit
http://www.vsg.or.at/index.php

Hallo Josef!
Wieder mal ein Artikel von dir, dem es kaum etwas hinzuzufügen gibt. Ein Aspekt wird –meines erachtens- von politischer Seite- jedoch sehr oft vernachlässigt. Und zwar: über die Assimilation und Akkommodation kommt der Jugendliche über bestimmte Stufen kognitiver Strukturen bzw. Kompetenzen im Jugendalter zur Stufe der formalen Operationen, die gekennzeichnet ist durch die Fähigkeit zu abstraktem Denken (Isolieren von Variablen, Wahrscheinlichkeitsdenken, schlussfolgerndem Denken, Erkennen von Widersprüchen usw.). In diesem Alter denken Jugendliche über sich selbst nach, entwickeln Ideale bzw. Ideologien, die sie ohne große Rücksicht auf die Realität rigoros vertreten, postulieren soziale Werte, entwickeln Theorien usw. Insoweit ist also ein gezielt Jugendarbeit von enormen Wert für unsere Gesellschaft.
Aber einige halten es da wohl lieber mit Karl Valentin, der einmal sagte: „Man braucht die Jugend nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach!“ :-)