„Arbeitsbedingungen wirken abschreckend“
In den nächsten Jahren steht eine Pensionierungswelle bei den Landärzten an. Derzeit ist das Problem zwar noch nicht akut, die Situation wird sich aber zuspitzen.
BEZIRK (ebba). Immer weniger junge Ärzte wagen den Schritt zur Niederlassung. Vor allem auf dem Land hat der Beruf des Arztes stark an Attraktivität eingebüßt – besonders der des Hausarztes. Heute muss man viele Stellen mehrmals ausschreiben, um überhaupt Bewerber zu finden.
„In Braunau wurde eine Arztstelle bereits zwei Mal ausgeschrieben. Bis dato konnte sie nicht besetzt werden“, skizziert Bezirksärztesprecher Gerhard Roitner das Problem. Im Krankenhaus Braunau sei der Ärztemangel bereits akut. „Dort gibt es jede Menge Arztstellen, die nicht besetzt werden können. Bei den Turnus-ärzten sind sieben Stellen frei und auch bei den Assistenzarztstellen sind einige unbesetzt.“
Im Bezirk gibt es 44 Vertragsärzte für Allgemeinmedizin. 19 davon, das sind 43 Prozent, gehen in den nächsten fünf Jahren in Pension. 16 Prozent der Ärzte sind bereits über 60 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Ärzte liegt bei 54 Jahren. „Durch diese Überalterung und der Tatsache, dass der Nachwuchs ausbleibt, werden die Auswirkungen bereits in fünf Jahren deutlich spürbar sein. Dann werden gleichzeitig mehrere Stellen frei, die nicht besetzt werden können“, erklärt Roitner.
Zu hohe Belastungen
Im ländlichen Raum sind die beruflichen Anforderungen an die Ärzte enorm. Viele Mediziner stehen rund um die Uhr in Bereitschaft. „Die hohen Anforderungen an Hausärzte wirken abschreckend auf angehende Ärzte. Die Arbeitszeiten sind belastend und schlecht bezahlt. Eine Stunde Bereitschaftsdienst wird mit gerade Mal 1,54 Euro netto entlohnt. Dazu kommt übertriebene Bürokratie und das Risiko der Selbstständigkeit.“
Vor allem für Frauen sind diese Arbeitsbedingungen untragbar. Mit dramatischen Folgen, schließlich sind mehr als die Hälfte der Allgemeinmediziner – ein Drittel der Fachärzte und zwei Drittel der Turnusärzte – weiblich. „Aus diesem Grund ist es erforderlich, die Arbeitszeiten familiengerechter zu gestalten“, betont Roitner. Im fehlenden Ausbildungsangebot sieht er das größte Problem. Die Ärztekammer fordert seit Langem eine MedUni in Linz, der Bund sträubt sich bis dato dagegen. „Die positiven Effekte dieser Medizin-Uni würden frühestens in zwölf bis fünfzehn Jahren greifen. Denn so lange dauert die Ausbildung zum Arzt.“ Daher sei es umso wichtiger, diese Einrichtung so bald wie möglich ins Leben zu rufen.
Die Ärztekammer fordert eine Reform der Ausbildung: „Jungärzte müssen die Arbeit in der Praxis kennenlernen. Eine verpflichtende Ausbildungszeit in der Praxis ist daher unumgänglich. 11 Millionen Euro für die Finanzierung der Lehrpraxis müssen drinnen sein“, betont Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser.
Arbeitszeiten neu definieren
„Der Beruf muss von Bürokratie entlastet werden, die Arbeitszeiten müssen familiengerechter werden und eine faire Bezahlung muss erfolgen. Nur so kann die Attraktivität des Berufes gesteigert werden“, meint Roitner, der gleichzeitig ein Arbeitsteilzeitmodell für ältere Ärzte fordert. „Viele wollen noch arbeiten, können dies aber nicht mehr in dem Ausmaß, wie es die Arbeitszeiten ihnen abverlangen.“
