Grüne: Innovationen ohne Ruhegebietsopferung

Grün-GR Gabi Kapferer-Pittracher (Foto: privat)
 
Die Kalkkögel stehen weiterhin im Mittelpunkt zahlreicher Pro- und Kontradiskussionen!

Axamer Grüne kämpfen weiter gegen die geplante Fusion und fordern die Erstellung eines regionalen Tourismus-Leitbildes!

Die Axamer Grünen unter Vorsitz von GR Gabi Kapferer-Pittracher leisten unaufhörlich Widerstand gegen die geplante Fusion und wähnen sich dabei in Gesellschaft der SP und der FP-Fraktion. Wir baten auch sie zum Interview!


BB: Sie sprechen davon, dass das Pferd von hinten aufgezäumt wird – warum?
Gabi Kapferer-Pittracher:
Zuerst jahrzehntelang keine Voraussetzungen für den Tourismus schaffen und dann nach Steuergeld für Liftanlagen als Allheilmittel schreien – so geht’s nicht! Mich ärgert diese Verantwortungslosigkeit im Umgang mit Steuergeld. ‚Das ist unser aller Geld und deshalb reden wir auch mit‘ – so sehen das viele Bürger in unseren Gesprächen und wünschen sich zuerst eine Belebung des Ortes.


BB: Wie soll diese Ihrer Meinung nach ausschauen?
Kapferer-Pittracher:
Wenn Bgm.Nagl von einer stärkeren einnahmenseitigen Orientierung der Gemeinde spricht, darf man bitte nicht vergessen, dass er ein 64 Mio-Liftprojekt zur Hälfte aus den Budgets der öffentlichen Hand und der Gemeinden finanzieren will und das bei einem Gesamtverschuldungsgrad der Gemeinde Axams von über 40 %! Dies erweckt den Eindruck, dass sich hier jemand nur ein Denkmal setzen will. Ganz zu schweigen von den Millionen für die geplante Verbindung Mutterer Alm und Lizum, dem angedachten Zubringerlift von Axams aus sowie eine/m zugehörigen Parkhaus/Tiefgarage.

BB: Sie sehen keinen Vorteil oder wenigstens neue Anreize?
Kapferer-Pittracher:
Die Axamer Abfahrt ist momentan eine schwarze Piste. Hier wären Adaptierungen nötig, um für alle benützbar zu sein, Ziehwege etc. Die seit Jahren schlechte Schneelage würde eine Beschneiung notwendig machen. Die geplante Parkplatzerrichtung westlich des Sonnenlifts brächte nur weitere Kosten, das Freiland würde zugepflastert und optisch verschandelt. Außerdem wäre der Lift einen Großteil des Jahres überhaupt nicht in Betrieb, weil er im Sommer uninteressant ist. Wie soll so dieser Rucksack an Schulden den Tourismus in Schwung bringen? Dass das an den Haaren herbeigezogen ist, leuchtet ein.

BB: Gibt es von Ihrer Seite nur Kritik oder auch Vorschläge, um die Situation, die derzeit nicht einfach ist, zu ändern?
Kapferer-Pittracher:
Wer von Innovation spricht, kann nicht mit jahrzehntealten Konzepten aufwarten. Zuerst benötigt es ein regionales Leitbild!

BB: In dem was stehen soll?
Kapferer-Pittracher:
Wofür steht die Region? Womit hebt sich die Region ab? Weshalb kommen die Touristen wirklich zu uns? Womit identifiziert sich die Region? Wollen wir wirklich mit zugepflasterten Flächen, Parkhäusern und Seilbahnen sowie Liftanlagen, die monatelang ungenutzt sind, punkten und uns den eigenen Lebens- und Wirtschaftraum zerstören und verschandeln?

Gemeinsame andere Wege

BB: Viele Fragen – gibt es auch Antworten, vor allem in Bezug auf schnell realisierbare Maßnahmen?
Kapferer-Pittracher:
Ja – und wir stehen da nicht allein! Grüne Liste Axams, SPÖ und FPÖ Axams gehen hier einen anderen Weg. Wir haben gemeinsam einen Antrag im Gemeinderat eingebracht, dass sich die Gemeinde an der Erhaltung des zum Verkauf stehenden Objektes im Ortszentrum, in dem auch der Gasthof Weiss untergebracht ist, beteiligen soll. Denn für Liftanlagen soll Geld aufgebracht werden, während das Dorf zu einer Geisterstadt verkommt. Ein weiteres Beispiel ist das bereits ein paar Wochen nach der Wahl initiierte Axamer Zukunftsgespräch zum Thema Energie. Hier haben wir Energieexperten nach Axams geholt und öffentlich über Nahwärme-Anlagen in Axams diskutiert. Nahwärmeanlagen finden sich mittlerweile in unzähligen Gemeinden in Österreich und liefern günstigere, umweltfreundlichere Heizenergie in die Gemeinde – und Privathäuser und schaffen ganzjährige Arbeitsplätze. Das ist nur eines von vielen wirklich innovativen Erfolgsrezepten, die in anderen Gemeinden ganz ohne die Zerstörung eines Ruhegebiets wunderbar funktionieren!

BB: Sie bemängeln auch immer wieder den Umgang mit geltendem Recht – sind die Befürworter Gesetzesbrecher?
Kapferer-Pittracher:
Die Ignoranz im Umgang mit geltendem Recht ist zumindest erschütternd. Man scheint die Definition eines Ruhegebietes nicht zu verstehen und das Gesetz beugen zu wollen, denn die geplante kleine Maßnahme widerspricht dem Tiroler Naturschutzgesetz und der geltenden Alpenrechtskonvention grundsätzlich! Ruhegebiete schließen eine Seilbahnnutzung dezidiert aus.

 auf anderen Webseiten Facebook Twittern Senden
2 Kommentare zum Beitrag
6
walter sattler aus Kematen in Tirol am 19.01.2011 um 12:10 Uhr  
6
walter sattler aus Kematen in Tirol am 19.01.2011 um 12:11 Uhr  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.